Igel gefunden, was tun?
Igel gefunden – wann helfen und was tun?
Igel gehören zu den besonders geschützten Wildtieren und sind wichtige Helfer in unserem Ökosystem. Doch nicht jeder Igel, den man sieht, braucht Unterstützung. Im Gegenteil: Unnötiges Eingreifen kann dem Tier sogar schaden. Damit Sie im Ernstfall richtig handeln, haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.
Wann braucht ein Igel Hilfe?
Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Igel sollte in der Natur belassen werden.
Da Igel nachtaktiv sind, ist es völlig normal, ihnen in der Dämmerung oder nachts zu begegnen. Auch ein gut genährter, munter wirkender Igel benötigt keine Hilfe.
Achten Sie jedoch auf folgende Warnzeichen:
Der Igel ist tagsüber aktiv und wirkt apathisch
Er ist sichtbar verletzt (z. B. Wunden, humpeln, Blutungen)
Er wirkt stark abgemagert (eingefallene Flanken, „Hungerknick“)
Er zeigt auffälliges Verhalten (torkeln, schwanken, Atemprobleme, Husten)
Fliegeneier oder Maden sind sichtbar (akuter Notfall!)
Der Igel ist bei Frost oder Schnee unterwegs
Es handelt sich um verwaiste Jungtiere (nackt, Augen geschlossen, fiepend)
In diesen Fällen benötigt der Igel dringend Hilfe.
Igel sichern – so gehen Sie richtig vor
Wenn ein Igel offensichtlich hilfsbedürftig ist, dürfen Sie ihn aufnehmen.
So sichern Sie das Tier:
Tragen Sie Handschuhe oder verwenden Sie ein Handtuch.
Setzen Sie den Igel in einen hohen Karton oder eine Box (Achtung: Igel können klettern!)
Unterbringung:
Bei Zimmertemperatur (ca. 20–22 °C)
Mit Zeitungspapier auslegen
Ein Versteck anbieten (z. B. umgedrehter Karton mit Eingang)
Bei unterkühlten Tieren eine handwarme Wärmequelle bereitstellen
Erste Einschätzung des Zustands
Untersuchen Sie den Igel vorsichtig auf:
Verletzungen oder Schwellungen
Fliegeneier (kleine gelbliche „Reiskörner“) oder Maden
Auffälligkeiten an Augen und Nase (Verklebungen, Ausfluss)
Wichtig:
Fliegeneier und Maden müssen so schnell wie möglich entfernt werden – am besten trocken mit Bürste oder Pinzette. Bitte kein Wasser verwenden!
Wie geht es danach weiter?
Ein hilfsbedürftiger Igel sollte schnellstmöglich in fachkundige Hände:
Wildtierkundige Tierarztpraxis (bei Verletzungen oder Krankheiten)
Wildtierstation oder Pflegestelle (bei geschwächten oder verwaisten Tieren)
Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie vorab eine entsprechende Stelle – wir helfen Ihnen gern weiter.
Igel im Garten unterstützen – richtig füttern
Durch den Rückgang von Insekten finden Igel immer weniger Nahrung. Eine gezielte Zufütterung kann daher sinnvoll sein.
Geeignetes Futter:
Hochwertiges Katzen-Nassfutter (fleischhaltig, ohne Soße)
Katzen-Trockenfutter
Insekten (z. B. Heimchen)
Zusätzlich wichtig:
Immer frisches Wasser bereitstellen
Ungeeignet (bitte nicht füttern!):
Milch (führt zu schweren Verdauungsproblemen)
Brot, Obst oder Gemüse
handelsübliches „Igelfutter“ (oft ungeeignet zusammengesetzt)
Fütterungstipps:
Futter abends bereitstellen
Reste morgens entfernen (zieht Fliegen an)
Bei geschwächten Igeln die Futtermenge langsam steigern
Rechtlicher Hinweis
Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.
Das bedeutet:
Sie dürfen nur bei tatsächlicher Hilfsbedürftigkeit aufgenommen werden
Ziel jeder Hilfe ist die Wiederauswilderung
Dauerhafte Haltung ist nicht erlaubt
Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung für dessen Versorgung oder muss es an eine fachkundige Stelle übergeben.
Unser Fazit:
Im Umgang mit Igeln gilt:
Beobachten – einschätzen – dann handeln.
Gesunder Igel → bitte in Ruhe lassen
Kranker oder verletzter Igel → sichern und Hilfe holen
Im Garten → artgerecht unterstützen

