Yashar:
Der blinde Passagier - wie er durch ein Unglück seine Für-Immer Familie gefunden hat.

Mit einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Gronau im Jahr 2022 fing alles an. Wir wurden informiert, dass im Container eines Industriebetriebes beim Öffnen eine Katze entdeckt worden war, die die Feuerwehr uns nach der Sicherung brachte. Wir hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommt. Schnell sind wir zur Auffangstation gefahren, wo man schon auf uns wartete. Die Katze kam gleich ins Haus und wurde erstmal mit dem Nötigsten (Wasser!) versorgt. Dort erzählte man uns, dass der Container, in dem sich die Katze befand, verplombt war und ursprünglich aus Tunesien kam. Er wurde auf dem Landweg dann über Italien hierher gefahren, war also Minimum einige Tage, eher mindestens eine Woche unterwegs.

Kaum hatten wir diese Infos, klingelte auch schon das Telefon. Dran war das Veterinäramt, das vom Industriebetrieb informiert worden war. Da es sich bei Tunesien um ein Drittland handelt, musste der arme Kerl sofort nach Untersuchung durch einen Tierarzt in Tollwut Quarantäne. Er bekam von uns erst einmal kleine Mengen hochkalorische Päppelnahrung, denn nach einer so langen Hungerphase kann zu viel Futter auf einmal zum sogenannten Refeeding Syndrom und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen.

Noch am Nachmittag ging es also zum Tierarzt, wo er etwas gegen Flöhe, Zecken und Würmer bekam. Und dann begann die Quarantäne – allein in einem Raum, isoliert von Artgenossen und wir mussten mit Schutzkleidung und Handschuhen rein Kontakt nur das Nötigste. Keine schöne Situation für eine so junge Katze (er wurde auf ca. 4 Monate geschätzt).

Der arme Kerl wog kaum viel mehr als 1 kg und war dehydriert. Es handelte sich um einen jungen Kater, dem wahrscheinlich seine Neugier und Vorwitzigkeit in Tunesien zum Verhängnis geworden war, als er in den noch geöffneten Container spazierte, dort eingeschlossen und verschifft wurde.

Ein Name musste her. Schnell war er gefunden, denn unser junger Flüchtling sollte etwas aus seiner alten Heimat bekommen. Also tauften wir ihn Yashar (bedeutet Held/ Leben, passte also wie die Faust aufs Auge). Yashar taute schnell auf, bekam die notwendigen Impfungen und durfte nach knapp 3 Monaten gesund und mit einem ausreichenden Tollwut Titer aus der Quarantäne entlassen werden. Bis dahin hatte er sich längst in die Herzen aller Helfer geschnurrt, so ein freundlicher Kerl, immer gut gelaunt und mit diesem unverwechselbaren Grinsen im Gesicht, das sofort gute Laune machte.

Jetzt hieß es, so schnell wie möglich zu Artgenossen, denn lange Zeit allein zu bleiben ist für keine Katze gut. Auf einer Pflegestelle waren gerade Rudi und Rio, zwei junge Kater, die mutterlos aufgegriffen worden waren. Yashar war ganz bezaubernd zu den beiden, erst etwas ungestüm, weil er sich so freute, ENDLICH Tobekumpels zu haben, legte er ihnen sämtliches Spielzeug vor die Gittertür, durch die sie zu Anfang getrennt waren. Die drei wurden zu einem Dream Team, spielten, tobten und schliefen im Dreierpack.

Kurz danach kam eine Anfrage, weil die erst kürzlich von uns vermittelten Kitten mit dem Sohn ausgezogen waren und der vorhandene Kater somit wieder allein war. Wir schickten genau ein Bild – und schon war es um Sylvia und André geschehen. Aber wer kann so einem Grinsekater schon widerstehen?!

Yashar heißt seitdem Joschi und bildet mit Louis (auch ein ehemaliger Schützling von uns) ein gutes Team. Er ist ein totales Papa Kind und sehr auf sein Herrchen fixiert. So wurde ein Missgeschick, das ihn fast das Leben gekostet hätte, für ihn doch noch ein Ticket ins Glück.