Mauro:
„Gefährlicher“ Hund oder Riesenbaby? Mauros zweite Chance.
Mauro kam im Mai 2022 zu uns. Das Ordnungsamt rief uns zu einer Privatanschrift und informierte uns, dass der Besitzer einen Unfall hatte und seine Hunde allein Zuhause sind. Da sie die Information hatten, dass einer der Hunde ziemlich groß sein sollte, wollte die Polizei es nicht riskieren, allein rein zu gehen. Zufällig sah uns der Nachbar, der die Hunde kannte. Er bot direkt an, sie aus dem Haus zu holen. Als die Tür aufging, waren wir froh den Nachbar dabei zu haben. Ein riesiger Dogo Argentino drückte sich durch die Tür und zog so stark an der Leine, dass der Nachbar ihn kaum halten konnte. Er versicherte uns, dass Mauro und auch seine kleine Freundin Maggy eigentlich ganz lieb sind. Die beiden waren seit Tagen nicht richtig draußen und vermutlich seit Wochen, oder sogar Monaten, nur notdürftig außer Haus unterwegs. Dementsprechend aufgeregt und ungeduldig waren sie.
Wir brachten sie in die Auffangstation. Schon beim Aussteigen wurde Mauros Kraft deutlich. Der 50 Kilo Hund wollte alles sehen und beschnuppern und zog so sehr, dass wir uns mit aller Kraft gegen die Leine stemmen mussten, um ihn zu halten. Mit letzter Kraft konnten wir ihn am Treppengeländer festbinden. Dort durfte er sich erstmal 15 Minuten entspannen und das Gras beschnuppern und eine große Schale Wasser trinken, während wir drinnen alles vorbereiteten. Dieses Verhalten führte sich auch die nächsten Wochen fort. Man merkte, dass die beiden seit Ewigkeiten nicht mehr spazieren waren. Dementsprechend aufgeregt und ungeduldig waren sie auch, die langen Krallen sprachen Bände. Beide zogen an den Leinen, schnupperten überall und konnten erstmal nur kleine Runden gehen, da sie gar keine Ausdauer mehr hatten.
Der Besitzer trat uns die beiden Hunde ab. Gleichzeitig gab es mehrere Hinweise von Dritten, dass Mauro aufgrund eines Beißvorfalls als Gefährlich eingestuft wurde und Auflagen hat, über die wir nicht informiert wurden, außerdem die Hunde nicht gut gehalten wurden und am besten nicht zu ihm zurück sollten. Wir kontaktierten das Veterinäramt und erkundigten uns genauer. Diese boten uns an, den Hund ans Veterinäramt abzutreten. Damit hätten wir ihnen Mauro übergeben können. Auf Nachfrage was mit ihm passiert, wenn wir das machen, erklärten sie, dass er in eine Tierpension kommen würde. Mit dieser Pension haben wir jedoch unglaublich schlechte Erfahrungen gemacht. Die Einrichtung dort entspricht nicht einem Leben, wie wir es uns für Hunde wünschen, er wäre dort dauerhaft gestresst gewesen und wäre realistisch betrachtet für den Rest seines Lebens dort geblieben. Wir wollten ein Für-Immer-Zuhause für ihn finden, weshalb wir uns dagegen entschieden. Mauro verdiente eine zweite Chance, auch mit Auflagen. Von nun an wurde Mauro also nur noch mit Maulkorb und zwei Meter langer Leine ausgeführt. Mehrere von uns legten mit ihm die Sachkunde zur Führung eines gefährlichen Hundes ab, denn auch das gehörte zu den Auflagen.
Als er sich etwas eingelebt hatte, kontaktierten wir verschiedene Hundetrainer, die sich mit der Körpersprache und dem Verhalten von Hunden genaustens auskennen. Wir wollten Mauro neutral begutachten und einschätzen lassen. Wir mussten für die weitere Arbeit wissen, welche Probleme er hat, wie sein Charakter tatsächlich ist und wie seine Chancen stehen. Aber alle Einschätzungen waren sich einig, Mauro überraschte: er ist ein ganz lieber Hund, der zwar noch etwas trainiert werden muss, aber anderweitig nicht auffällig ist. Das Problem lag am anderen Ende der Leine. Der Besitzer hetzte ihn laut Aussagen Dritter regelrecht auf.
Mauro legte dann bei einer Tierärztin für Verhaltenstherapie seinen Wesenstest ohne Probleme ab.
Wir fingen an für ihn ein Zuhause zu suchen. Da wir ihn jetzt schon länger kannten, wussten wir, dass er zwar in erfahrene Hände muss, aber eigentlich eher ein Schaf als ein „gefährlicher“ Hund ist. Leider ergab sich auch nach Monaten nichts. Mauro kuschelte sich ins Herz aller Helfer, aber eine hat es besonders erwischt. Mauro und Maggy sollten auf Pflegestellen ziehen, da die Versorgung und die täglichen Spaziergänge mit ehrenamtlichen Helfern schwierig abzudecken waren. So kam Mauro auf eine Pflegestelle, aus der er nie wieder ausgezogen ist. Mauro durfte bleiben und hat eine zweite Chance bekommen.




